bleibt dir lange noch
im Gedächtnis das Meer
bleibt dir erhalten
im Spiel der Wolken hinter
gelb-verfänglichen Feldern
bleibt unverloren
hinter den Steinen der Stadt
bleibt dir gegenwärtig
im horizontarmen Alltag
als schäumender Impuls
aufzumischen den Boden
unter den Füßen
Annemarie
Schnitt
Meer
ich wollte dich beschreiben
doch da hatten
deine Wellen schon
meine Gedanken
hinter den Horizont getragen
ins erste Morgenlicht
so stehe
ich hier
und schweige
umgeben vom Rauschen
und der Unendlichkeit
des Augenblicks
(c)
Engelbert Schinkel
Meer
von Erich Fried
Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren
und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen
Wenn
man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen
nur Meer
Nur
Meer
"Du kannst keinen
Ozean
überqueren, in dem du einfach
nur aufs Wasser starrst".
Tagore
Im Wechselspiel
Im Wechselspiel der Gezeiten
hinter der weichenden Flut
zu Bewahrendes finden
im ausgewaschenen Sand
Annemarie
Schnitt
Wind
ist der Welle lieblicher Buhler,
Wind mischt vom Grund aus schäumende Wogen.
Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!
(Goethe)
Erinnerungen
an den Wind
vom letzten Sommer
angespült
am Strand
ein kleines Stück Holz
nach langer Reise
auf dem Meer
der Unendlichkeit
irgendwann
hier angespült
im feinen Sand
so will auch ich
zurück, nochmal zurück
zum letzten Sommer
(c) Engelbert Schinkel
Morgen
am Meer
Leergeweht
die Welt
von Wellen überspült
was gestern war
und immer wieder
neue Fußspuren
am Ufer zerfließender Zeit